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BOSCH

Galt „House of Cards“ vor wenigen Jahren noch als die erste und einzige von einem Streaming Dienst produzierte Serie, die mit ´normalen´ Fernsehproduktionen konkurrierte, so sind die Serien aus den Streaming-Portalen mittlerweile tonangebend. Gewöhnliche Fernsehproduktionen aus Übersee funktionieren nur noch nach Schema-F: drei Cliffhanger innerhalb einer Folge für drei Werbepausen, eine Handlung nach dramaturgischer Schablone – CSI-mäßig mit wenig Entfaltungsmöglichkeiten von Charakteren.

 

Serien bei Streaming-Diensten haben meist sechs bis zehn Episoden pro Staffel und meist nur am Ende einen Cliffhanger. Neben genannter Serie sind „The Man In The High Castle“ oder „ Mr. Robot“ sehr erfolgreiche Beispiele. Eine der wichtigsten Serien geht jetzt bereits in die 3. Staffel: „Bosch“.

 

„Bosch“ ist die Verfilmung der Romane des Bestsellerautor Michael Connelly. „Bosch“ ist eigentlich Harry Bosch, seines Zeichens ein Polizist beim L.A. Morddezernat. Ein eigenwilliger Mensch, mit leicht traumatischer Vergangenheit, einem Haus in den Hollywood Hills mit einem unfassbaren Ausblick auf die Stadt der Engel bei Nacht. Seine Eigenwilligkeit wird von seinen Gegenspielern als Schwachstelle ausgenutzt, um seine Glaubwürdigkeit immer wieder in Zweifel zu ziehen. Harry Bosch, eigentlich ein grundsolider, bodenständiger Mensch, wird dann nicht selten vom guten zum bösen Cop, aber auf eine glaubwürdige Art und Weise.

 

„Bosch“ ist genau der Gegenentwurf zu standardisierten Krimiserien. Er ist Protagonist einer extrem erfolgreichen Romanserie, also ein echter Charakter. Sein geistiger Vater, Michael Connelly, war in die Drehbücher der ersten beiden Staffeln involviert und ist jetzt Produzent. Zusammen mit dem Schauspieler Titus Welliver, der Harry Bosch nicht nur verkörpert, sondern zu den ganz wenigen Besetzungen gehört, denen man nach kurzer Zeit anmerkt, dass es besser nicht hätte kommen können – Bosch ist Welliver, Welliver ist Bosch. 

 

Staffel 3 knüpft nahtlos an die 2. Staffel an. Die Charaktere werden weiterentwickelt, bekommen viel Freiraum. Und zwischendrin immer wieder der grandiose Ausblick auf das nächtliche L.A. untermalt mit Miles Davis auf Vinyl. Sehr sehenswert.

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